Promovieren: Dr. Melanie Weber-Moritz – Wachsen und verändern
17.05.2026
Die heutige Präsidentin des Deutschen Mieterbundes promovierte an der Leuphana Universität Lüneburg. Im Interview erläutert sie, welche zentrale Bedeutung eine Promotion für den Weg in Führungspositionen haben kann. Am 19. Juni veranstaltet die Graduate School ihren zweiten Homecoming Day für die Absolvent*innen des Zertifikatsprogramms „Leadership in Gesellschaft und Wirtschaft“. Im Mittelpunkt steht dabei die berufliche Entwicklung nach der Promotion.
©Deutscher Mieterbund
Frau Dr. Weber-Moritz, was haben Sie aus Ihrer Promotionszeit mitgenommen?
Ich habe 2007 in der Umweltsoziologie promoviert, also in einem geisteswissenschaftlichen Feld. Alles begann mit der zentralen Herausforderung, eine tragfähige Forschungsfrage zu entwickeln. Das ist ein sehr intensiver Prozess, der viel Zeit und Eigenleistung erfordert.
Was ich in dieser Zeit vor allem gelernt habe, ist Durchhaltevermögen, ein langfristiges Ziel im Blick zu behalten, sich selbst zu organisieren und strukturiert zu arbeiten. Gleichzeitig habe ich methodische Kompetenzen entwickelt und musste mich eigenständig in Themen einarbeiten.
Bereitet eine Promotion Ihrer Meinung nach gut auf Führungspositionen vor?
Ja, definitiv. Allerdings nicht wegen des Titels selbst. Der ist zwar hilfreich und öffnet Türen, aber entscheidend sind die Kompetenzen, die man während der Promotion entwickelt: die intensive Arbeit an sich selbst, das eigenständige Recherchieren und das Strukturieren komplexer Projekte. Das sind alles Fähigkeiten, die in Führungspositionen enorm wichtig sind. Die Promotion ist ein sehr persönlicher Prozess – man wächst und geht verändert daraus hervor.
Wie prägend war die Promotionszeit für Sie?
Sehr. Ich habe nicht zuletzt gelernt, Führung und Eigenverantwortung für mich selbst zu entwickeln. Denn man ist auch bei einer guten Betreuung für vieles verantwortlich: beispielsweise Forschungsfrage, Methodik oder Weiterbildungen. Ich habe mir zum Beispiel selbst ein Stipendium organisiert, um an einem internationalen Soziologenkongress in Südafrika teilzunehmen.
Diese Fähigkeit zur Selbstorganisation ist für mich eine der wichtigsten Kompetenzen aus der Promotionszeit. Sie begleitet mich bis heute, denn oft genug wartet niemand auf einen.
Was meinen Sie mit diesem Satz?
Wenn ich heute ein Thema setzen oder ein Projekt voranbringen möchte, muss ich das selbst organisieren und aktiv werden. Ich kann keinen großen Verband führen, wenn ich passiv bleibe. Eine Führungskraft muss auch aushalten können, dass Dinge nicht schnell genug vorangehen oder nicht zum Erfolg führen. Dass es Durststrecken gibt. Dass man Kritik bekommt. All das gehört dazu – und das lehrt einen auch die Promotionszeit.
Wie ist es als Frau in einer stark männerdominierten Branche zu arbeiten?
Das bringt sowohl Herausforderungen als auch Vorteile mit sich. Positiv ist, man fällt auf, wird wahrgenommen und häufig auch gezielt angefragt. Und ich habe nicht den Eindruck, dass Männer nur unter sich bleiben wollen, im Gegenteil.
Aber natürlich gibt es weiterhin männlich geprägte Netzwerke. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen eigene Netzwerke aufbauen. Ich habe den Eindruck, dass Frauen das oft noch nicht so selbstverständlich tun wie Männer – aber es verändert sich.
Welche weiteren Tipps haben Sie für Promovierende?
Sich trauen, Fragen zu stellen. Ich habe das selbst manchmal zu wenig getan. Man sollte aktiv auf Menschen zugehen, die weiter sind als man selbst oder Vorbilder darstellen, und sie fragen: Wie hast du das gemacht? Welche Erfahrungen hast du gesammelt? Das ist unglaublich wertvoll. Auch für die berufliche Planung, denn die Universität kann nicht alle Promovierenden aufnehmen, die Anzahl der Professuren ist begrenzt. Deshalb sollte man sich frühzeitig mit alternativen Karrierewegen beschäftigen.
Hatten Sie selbst früh eine klare berufliche Richtung?
Was ich erarbeitet hatte, wollte ich gern praktisch anwenden. Das wusste ich früh, auch wenn mir das Berufsbild noch nicht klar war. Ich habe zu einer klimapolitischen Fragestellung promoviert. Das Thema gewann damals an Bedeutung, es entstanden viele neue Initiativen und Organisationen. Ich hatte das Gefühl, mit meiner Expertise etwas Relevantes beisteuern zu können.
Mein Weg führte mich dann zuerst in den Verbraucherschutz und später zum Deutschen Mieterbund. Heute arbeite ich zwar in erster Linie im sozialen Bereich, aber viele meiner aktuellen Themen – etwa Energieeffizienz, Nebenkosten oder Klimaschutz im Gebäudebereich – knüpfen wieder direkt an meine Promotion an.
Vielen Dank für das Gespräch!
Dr. Melanie Weber-Moritz studierte in Göttingen, Bristol und Berlin Politik- und Sozialwissenschaften. 2007 promovierte sie an der Leuphana Universität Lüneburg zu Fragen des Klimaschutzes. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin und an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Von 2015 bis 2019 war sie Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz.
2019 wurde Melanie Weber-Moritz Direktorin des Deutschen Mieterbundes. Seit 2024 ist sie außerdem Vorsitzende des Verwaltungsrats des Verbraucherzentrale Bundesverbandes sowie Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz. 2025 wurde sie zur Präsidentin des Deutschen Mieterbundes gewählt.
Der Deutsche Mieterbund (DMB) ist der Dachverband von 15 DMB-Landesverbänden und über 300 örtlichen DMB-Mietervereinen mit mehr als 500 Beratungsstellen in ganz Deutschland. Hier sind aktuell rund 1,25 Millionen Haushalte Mitglied, das entspricht etwa drei Millionen Mieter*innen.