Open Day Studium Individuale: Charlie Weißer – Klarer Plan
26.01.2026 Der 23-Jährige steht kurz vor seinem Bachelor-Abschluss. In seinem Studium hat er sich vor allem mit Gender Studies und Bildungswissenschaften beschäftigt – Themen, die für sein gesellschaftliches Engagement relevant sind: „Ich habe das Gefühl, dass ich mir mein Studium wirklich selbst aufgebaut habe – aus allem, was mir wichtig ist.“ Studieninteressierte können sich am 30. Januar 2026 beim Open Day online über das Programm informieren.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Journalismus oder Studium Individuale? Charlie Weißer hat nach dem Abi gleich zwei Zusagen für spannende Studienplätze erhalten. Am Ende fiel ihm die Wahl leicht: „Als ich vom Studium Individuale erfahren habe, war ich sofort begeistert, weil ich dachte: In diesem Programm kann ich all meine Interessen verbinden.“
Das Studium Individuale fordert Studierende auf, einen erheblichen Teil ihres Curriculums frei und selbstverantwortlich zu gestalten. Dabei wählen sie eine Frage, die sie mit Hilfe ihrer Seminare und Vorlesungen beantworten möchten. Charlie Weißer interessiert sich insbesondere für Gender Studies und Bildungswissenschaften. Nach dem Abi absolvierte er einen Bundesfreiwilligendienst bei der Aidshilfe in Hamburg, wo er in der Bildungsarbeit und im Social-Media-Bereich tätig war: „Heute ist HIV medizinisch gut behandelbar. Das Problem sind oft nicht mehr die Medikamente, sondern Vorurteile und fehlendes Wissen. Bildungsarbeit kann da sehr viel bewirken.“
Die Themen Identität, gesellschaftliche Fragen, Bildungsarbeit und der Wunsch, mit seiner Arbeit Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Themen zu lenken, ziehen sich durch sein ganzes Studium. Mittlerweile steht der 23-Jährige kurz vor seinem Abschluss. In seiner Bachelor-Arbeit möchte Charlie Weißer diese Themen bündeln: Geplant sind qualitative Interviews mit trans Personen aus Lüneburg zu ihren Erfahrungen mit HIV-Aufklärung.
Parallel engagierte er sich vier Semester lang ehrenamtlich bei SCHLAU Lüneburg, einer Initiative, die Workshops zu Antidiskriminierung und LGBTQIA+-Themen an Schulen anbietet. „Wir sind in Klassen gegangen und haben Workshops angeboten. Das hat mir unglaublich viel Spaß bereitet – und mir gezeigt, dass ich auf jeden Fall mit Menschen arbeiten möchte.“
Im Studium Individuale lernen die Studierenden, einen klaren Plan für ihr Studium zu entwickeln und werden intensiv beraten durch Reflektionsübungen, Wochenend-Retreats und individuelle Gespräche. Dazu kommen die Kernmodule in jedem Semester. Entsprechend ihrer Ausgangsfrage wählen die Studierenden individuell ihre Vorlesungen und Seminare aus dem gesamten Angebot der Universität im Bachelor-Bereich. Die Verantwortung wird belohnt: „Jede Vorlesung, jedes Seminar habe ich selbst ausgesucht, so dass ich nur Kurse besucht habe, die mich wirklich interessieren“, sagt Charlie Weißer. Besonders prägend waren für ihn Lehrveranstaltungen zu Inklusion, queerfeministischen Perspektiven und digitaler Queer Culture.
Ein besonderer Abschnitt seines Studiums führte Charlie Weißer für zwei Semester nach Michigan an das Kalamazoo College, eine Partner-Universität der Leuphana. Dort studierte er nicht nur, sondern arbeitete gleichzeitig als Teaching Assistant für Deutsch – fünf Stunden pro Woche, inklusive Unterkunft und Verpflegung.
Neben vielen Kursen in Gender Studies nutzte er auch dort die Freiheit, um Neues auszuprobieren: Französisch, Psychologie, Schauspiel. Gleichzeitig schärfte er sein Profil: Er beschäftigte sich unter anderem mit Performance als politischem Werkzeug in der AIDS-Aktivismusbewegung der 1980er und 90er Jahre. In einem Kurs präsentierte er einen Monolog aus einem Theaterstück über AIDS, Trauer und Erinnerung.
Für die Zeit nach dem Bachelor kann er sich unterschiedliche Wege vorstellen: Bildungs- und Beratungsarbeit oder Mitarbeit bei queeren Medien. Um herauszufinden, was am besten zu ihm passt, plant er zunächst verschiedene Praktika zu absolvieren. Auch ein Masterstudium ist für ihn eine Option.
Für Charlie Weißer war das Studium Individuale vor allem eines: ein Raum, um Fragen zu stellen, neugierig zu bleiben und Antworten systematisch nachzugehen: „Ich habe das Gefühl, dass ich mir mein Studium wirklich selbst aufgebaut habe – aus allem, was mir wichtig ist.“