Umweltwissenschaften: Bastian Hagmaier – Nachhaltige Transformation gestalten
08.06.2026 Der Leuphana-Alumnus arbeitet heute als Geschäftsführer der IGES Mobility GmbH an Mobilitätsstrategien und urbanen Transformationsprozessen. Wissenschaft, Verwaltung und praktische Umsetzung zusammenzubringen, prägt dabei bis heute seinen beruflichen Weg.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Bastian Hagmaiers Arbeitsalltag spielt sich meist dort ab, wo über die Zukunft nachhaltiger Mobilität diskutiert und entschieden wird – zwischen Kommunen, Hochschulen, Fachveranstaltungen und Projektterminen in ganz Deutschland. Seit 2026 ist der heute 33-Jährige Geschäftsführer eines Beratungs- und Forschungsunternehmen für nachhaltige Mobilität und verantwortet dort Projekte zu Mobilitätsstrategien, Nahverkehrsplanung und urbaner Transformation.
„Verkehrsplanung betrifft uns alle unmittelbar. Gleichzeitig entscheidet sich hier sehr konkret, wie lebenswerte, gerechte und klimafreundliche Städte künftig aussehen“, sagt Bastian Hagmaier.
Besonders beschäftigt ihn dabei eine zentrale Frage: Wie lassen sich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele tatsächlich umsetzen – politisch, administrativ und gesellschaftlich?
Der Weg dorthin verlief nicht ganz geradlinig: Nach dem Abitur verbrachte Bastian Hagmaier zunächst ein Work-and-Travel-Jahr in Neuseeland, arbeitete dort unter anderem in der Landwirtschaft und gewann Abstand für die Frage, wie er Nachhaltigkeit später beruflich gestalten möchte. Nach seiner Rückkehr absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr in Hamburg und informierte sich parallel über passende Studiengänge. „Eigentlich wollte ich damals weg aus dem Landkreis Lüneburg“, erinnert er sich. Ausschlaggebend für die Leuphana war am Ende auch das College-Modell: „Mich überzeugte die Möglichkeit, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften miteinander zu verbinden.“
Er begann den Bachelor Umweltwissenschaften mit Minor VWL. Schon früh interessierte ihn dabei weniger die reine Theorie als die Frage, wie gesellschaftliche Veränderungsprozesse praktisch gestaltet werden können. Parallel engagierte er sich mehrere Jahre bei der studentischen Initiative „Enactus Lüneburg e.V.“. Dort entstand unter anderem das Projekt „2nd-Page“, bei dem aus einseitig bedrucktem Papier gemeinsam mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung neue Notizblöcke hergestellt wurden. „Dieses Projekt zeigt, wie ökologische und soziale Nachhaltigkeit gemeinsam wirken können“, sagt er.
Im Laufe des Studiums wurde ihm zunehmend bewusst, dass nachhaltige Transformation nicht allein an guten Ideen scheitert, sondern häufig an fehlenden ökonomischen, organisatorischen oder politischen Rahmenbedingungen. Deshalb ergänzte er sein Profil um ein weiteres Bachelorstudium in „International Business Administration and Entrepreneurship“.
Anschließend führte ihn sein Weg in den Double-Degree-Master „Global Sustainability Science“ an die Arizona State University. Dort arbeitete er unter anderem an Projekten zu nachhaltigen Lieferketten, Kreislaufwirtschaft und urbaner Transformation. Seine Masterarbeit schrieb er zu quartiersbezogenen Mobilitätsstationen in Hamburg – ein Thema, das ihn bis heute begleitet.
Nach dem Studienabschluss Anfang 2019 arbeitete Hagmaier zunächst im Bereich nachhaltiger Mobilitätslösungen für große Arbeitgeber mit der 25ways mobility GmbH. Parallel unterstützte er Unternehmen und Organisationen bei Fragen nachhaltiger Mobilität und Transformation. Es folgten Stationen als Mobilitäts- und Klimaschutzmanager sowie als Projektleiter für das Hamburger Reallabor „freiRaum Ottensen“. Dort begleitete er eines der bundesweit bekanntesten Projekte zur Neuaufteilung und Verkehrsberuhigung öffentlicher Räume. „Gerade in solchen Projekten wird sichtbar, wie eng Mobilität, Stadtentwicklung, politische Prozesse und gesellschaftliche Debatten miteinander verbunden sind.“
Von 2023 bis 2026 leitete Hagmaier anschließend den Mobilitätsbereich der Hansestadt Lüneburg. Dort verantwortete er strategische Mobilitätskonzepte, Beteiligungsprozesse sowie Projekte zur Verkehrsberuhigung, zum Ausbau nachhaltiger Mobilitätsangebote und zur Umsetzung kommunaler Klimaziele.
Heute arbeitet er an der Schnittstelle von Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Beratung. Als Geschäftsführer begleitet er Städte, Regionen und öffentliche Auftraggeber bei Fragen der nachhaltigen Mobilitäts- und Infrastrukturentwicklung – von strategischen Mobilitätskonzepten bis zur konkreten Umsetzung vor Ort.
Besonders beschäftigt ihn derzeit die Frage, was Kommunen mit und ohne Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) voneinander lernen können – sowohl in der Hochschullehre als auch in kleineren Forschungsprojekten. Dabei interessiert ihn vor allem, wie nachhaltige Mobilitätsplanung auch außerhalb der großen Metropolen gelingen kann.
Als Beispiele nennt er den Stadtmobilitätsplan in Quedlinburg, den Ausbau des Bikesharing-Angebots in Lüneburg oder das Hamburger Projekt „freiRaum Ottensen“, bei dem nach gut sechs Jahren Planung inzwischen die konkrete bauliche Umsetzung beginnt. „Gerade in solchen Projekten zeigt sich, ob aus strategischen Konzepten tatsächlich sichtbare Veränderung entsteht.“
Der Leuphana bleibt Hagmaier dabei bis heute eng verbunden: Er lehrt an Hochschulen, betreut Abschlussarbeiten und engagiert sich weiterhin im wissenschaftlichen Austausch. „Die Verbindung aus Wissenschaft und Praxis ist für mich enorm wichtig. Hochschulen sind zentrale Orte, um neue Perspektiven und Ideen zu entwickeln.“
Besonders prägend sei für ihn bis heute die Interdisziplinarität der Leuphana geblieben: „Die Universität hat mir ermöglicht, fachlich in die Breite zu gehen und unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Genau diese Fähigkeit brauche ich heute täglich in meiner Arbeit.“
Oder, wie er es selbst formuliert: „Wissen entfaltet seinen Wert erst dann wirklich, wenn daraus gesellschaftliche Veränderung entstehen kann.“