Studium Individuale: Janna Schulte – Kopf in Bewegung
09.03.2026 Nach ihrer Ausbildung zur Handelsfachwirtin stand Janna Schultes Berufsweg eigentlich fest: Karriere bei einem Möbelriesen. Doch dann entschied sie sich für die Leuphana – und wird heute mit ihrem Wissen für ein besseres Leben in Städten sorgen.
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Schichtbeginn, drei Uhr morgens: Gabelstapler und LKWs rangieren auf dem Gelände eines großen Möbelhauses in Augsburg. Schwere Pakete werden zu den richtigen Regalen gebracht, rund 40 Kolleg*innen für den Tag eingewiesen. Mittendrin: Janna Schulte. Mit 24 regelt sie Abläufe und trägt früh Verantwortung. Sie kann und mag ihren Job.
Dennoch bleibt etwas offen. Privat engagiert sich Janna Schulte bei Fahrraddemos, beschäftigt sich zunehmend mit Nachhaltigkeit, wird politisch aktiv. „Ich fragte mich immer häufiger: Wie kann ein gutes Leben in Städten gelingen?“, erinnert sie sich. Die junge Frau beschließt, Antworten zu suchen.
Sie schaut nach Universitäten, die Nachhaltigkeit fokussieren und stößt auf die Leuphana. Dann liest sie vom Studium Individuale: „Ich war sofort fasziniert. Die Möglichkeit, mich fachlich breit aufstellen zu können, passte zu meinen Interessen. Ich wollte mich nicht auf eine Disziplin festlegen, ich wollte entdecken, ich wollte studieren.“
Das Studium fordert, einen großen Teil des Curriculums eigenverantwortlich zu gestalten – ausgehend von einer selbst gewählten Fragestellung.
Der Ansatz überzeugt, dennoch zögert sie: „Ich hatte meine Ausbildung und den Abschluss als Handelswirtin. In der Logistik hätte ich Karriere machen können. Studieren zu wollen war idealistisch.“ Doch der Wissensdurst ist zu groß: Janna Schulte bewirbt sich an der Leuphana, kündigt ihren sicheren Job und zieht nach Lüneburg.
Die Antworten auf ihre Fragen findet sie schneller als gedacht: „Ein Seminar dazu, wie Städte und Gebäude unser Handeln beeinflussen, prägte meinen Studienweg.“ Sie belegt Module zu Stadt- und Verkehrsplanung, Raumwissenschaften und Nachhaltigkeit – quer durch die Fakultäten – und versteht die Herausforderungen lebenswerter Städte immer besser.
Im Studium Individuale wählen Studierende ihre Vorlesungen und Seminare im Bachelor individuell aus dem gesamten Angebot der Leuphana. „Ich habe jede Veranstaltung selbst ausgesucht und gern besucht“, sagt Janna Schulte.
Begleitet wird dieser Prozess durch regelmäßige Kernmodule und Reflexionsformate, die den Austausch innerhalb der Kohorte sicherstellen. „Gerade weil wir unterschiedliche Wege gehen, ist der Zusammenhalt wichtig“, sagt Janna Schulte. WG-Frühstücke, selbstorganisierte Lerngruppen, aber auch der interdisziplinäre Austausch ergänzen das Studium.
Als besonders prägend beschreibt sie die inhaltliche Tiefe der Kernmodule. Die intensive Textarbeit, die Notwendigkeit zur Vorbereitung und zur Diskussion auf Augenhöhe seien anspruchsvoll gewesen, haben aber grundlegende Kompetenzen vermittelt. „Ich habe gelernt, mich schnell in neue Themen einzuarbeiten, Texte kritisch zu lesen und Zusammenhänge herzustellen.“
In einem Auslandssemester in Wien vertieft sie ihren Schwerpunkt und belegt spezialisierte Module zur Raum- und Verkehrsplanung: „Gerade die Freiheit im Studium ermöglichte mir meine Spezialisierung.“ Nach dem Abschluss an der Leuphana studiert Janna Schulte im Master Stadtplanung an der HafenCity Universität in Hamburg.
Parallel arbeitet sie mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bürgerschaftsfraktion der Grünen in Hamburg und befasst sich mit Verkehrs- und Mobilitätspolitik. „Schnell recherchieren, Themen bewerten, gute Quellen finden – all die Fertigkeiten habe ich im Studium Individuale gelernt.“
Heute ist die mittlerweile 33-Jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Hamburg und promoviert im Bereich Verkehrsplanung. Sie erforscht, wie Städte lebenswerter werden können und wie viele Parkplätze tatsächlich gebraucht werden – eine Frage, die im Bachelor ihren Ursprung hat.
Ihr Fazit ist klar: „Ohne das Studium Individuale wäre ich nicht dort, wo ich heute bin – oder zumindest sehr viel später. Das Programm gibt keinen festen Weg vor, sondern hilft, den eigenen zu finden.“