Konferenzwoche 2026: „Amerikas Gotteskämpfer“

26.03.2026 Die Historikerin und Podcasterin Annika Brockschmidt gilt als eine der profiliertesten deutschen Stimmen, wenn es um die politische Rolle der religiösen Rechten in den USA geht. Während der Konferenzwoche diskutierte sie mit den Erstsemesterstudierenden.

©Adrian Hirt
„Social Media gibt extremen Inhalten einen Grundvorteil. Nutzer*innen können innerhalb kurzer Zeit bei rechtsextremen Inhalten landen“, sagt Annika Brockschmidt.

Trump-Banner, Galgen oder Jesus-Flaggen: Beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 wurde die religiöse Dimension der MAGA-Bewegung sichtbar. „Die Präsenz religiöser Bilder trug dazu bei, das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, ordnete Annika Brockschmidt bei ihrem Besuch auf der Konferenzwoche ein.

Die Autorin des Buchs „Amerikas Gotteskämpfer und Brandstifter“ forscht seit vielen Jahren zur religiösen Rechten in den Vereinigten Staaten. Im Zentrum der heutigen amerikanischen Rechten steht nach ihrer Einschätzung keine homogene Bewegung, sondern eine strategische Koalition. Evangelikale Christ*innen, rechtspopulistische Akteure, Tech-Eliten und politische Hardliner eint ein gemeinsamer ideologischer Nenner: der „weiße christliche Nationalismus“.

Aber längst sei diese Denkweise „kein rein amerikanisches Phänomen mehr“, sagte sie und verwies auf internationalen Austausch durch Thinks Tanks, auf Konferenzen oder in der Politik: „Internationale Verbindungen gibt es schon sehr lange“, erklärte Annika Brockschmidt. Dabei gehe es nicht nur um Ideologie, sondern auch um konkrete politische Strategien: „Wir müssen das als eine Art Versuchslabor sehen.“ Das global organisierte Netzwerk habe auch wachsenden Einfluss in Europa.

Hierin wurde auch die Rolle des Vatikans und Papst Leo XIV. eingeordnet: „Der Begriff von Genderideologie ist ein Begriff, der tatsächlich aus dem rechtsreaktionären Umfeld des Vatikans in den 90ern geprägt wurde“, erklärte sie. Dennoch seien die Positionen in der katholischen Kirche durchaus heterogen. Ein Student wies auf ein aktuelles Statement von Leo XIV. hin: „Es gab vor wenigen Tagen ein Treffen des Papstes mit spanischen Bischöfen, bei dem er die extreme Rechte als größte Gefahr für die Gesellschaft bezeichnet hat“, argumentierte er.

Die Diskussion zeigte die Bandbreite und Komplexität des Themas: Eine Studierende wollten etwa wissen, wie stabil die Koalition der amerikanischen Rechten ist und ob sich bereits Brüche abzeichnen. Annika Brockschmidt verwies auf zunehmende Spannungen: Teile der Bewegung würden versuchen, sich strategisch von Donald Trump zu lösen, ohne sein Projekt grundsätzlich infrage zu stellen – nach dem Motto: „Trump hat euch America First versprochen, aber er hat nicht geliefert.“ Besonders intensiv diskutiert wurde der Einfluss sozialer Medien. Eine Studentin fragte nach Plattformen wie TikTok. Annika Brockschmidt warnte vor strukturellen Effekten: „Social Media gibt extremen Inhalten einen Grundvorteil. Nutzer*innen können innerhalb kurzer Zeit bei rechtsextremen Inhalten landen.“