Leuphana auf dem Weg zum AI Campus
20.07.2026 Mit dem „Leuphana AI Campus“ entwickelt die Leuphana Universität eine bundesweit einzigartige Lehr- und Studienarchitektur für eine umfassende AI Literacy Education. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz als Lerngegenstand und didaktisches Werkzeug inter- und disziplinär in allen Studienphasen von Bachelor bis Promotion zu verankern. Mit dem Creative Space bietet die Leuphana zudem einen offenen Experimentierraum für Künstliche Intelligenz auf dem Campus.
©Leuphana/Teresa Halbreiter
„Wir brauchen Menschen, die sich von der Technologie helfen lassen, ohne von ihr abhängig zu werden: Entweder handeln oder behandelt werden“, fasst Ricardo Usbeck zusammen. Der Professor für Künstliche Intelligenz und ihre Erklärbarkeit gehört einem interdisziplinären Team aus mehr als 20 Wissenschaftler*innen an – von Rechtswissenschaft über Lehramt bis zu den Umweltwissenschaften. „KI spielt in allen Studienfächern eine Rolle“, erklärt er. Aktuell baut er den „Leuphana AI Campus“ mit auf. Ziel vom „Leuphana AI Campus“ ist eine AI Literacy Education durch alle Studienphasen von Bachelor bis Promotion.
Zentral ist dabei das AI-Literacy-Modul im Leuphana Semester. Es soll allen Bachelor-Studierenden grundlegende Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz vermitteln – unabhängig von ihrem Studienfach. Dabei werden technische Grundlagen wie Datenanalyse, maschinelles Lernen und der Einsatz von KI-Werkzeugen mit gesellschaftlichen Themen wie Ethik, Datenschutz und Verantwortung verbunden. Ziel ist die Förderung eines reflektierten, kritischen und kompetenten Umgangs mit KI als wichtige Zukunftskompetenz: „Die vielfältigen Veränderungen durch künstliche Intelligenz erfordern eine umfassende Weiterentwicklung der Lehrarchitektur“, unterstreicht Julia Webersik. Die Leiterin des Lehrservices verantwortet den „Leuphana AI Campus“ gemeinsam mit Prof. Dr. Jelena Bäumler, Professorin für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht, insbes. Nachhaltigkeitsrecht, und Vizepräsidentin des College. Der „Leuphana AI Campus“ beschäftigt sich auch mit zentralen Fragen rund um Prüfungen oder Ethik: Welche Rolle darf KI in Masterarbeiten und Promotionen spielen? Themen wie Urheberrecht, Plagiat, Selbstplagiat und wissenschaftliche Integrität seien bislang vielerorts ungeklärt.
Auch der neue Minor „Artificial Intelligence“ gehört zum Leuphana AI Campus. „Er ist bewusst interdisziplinär konzipiert und richtet sich insbesondere an Studierende außerhalb der Informatik“, erklärt Ricardo Usbeck. Probleme sollen nicht nur mit KI gelöst werden. Auch die Folgen der Technologie für Gesellschaft, Kultur und Unternehmen werden kritisch diskutiert. Dabei werden alle fachlichen Disziplinen angesprochen: „In jedem Major gibt es Anwendungsfälle für KI“, erklärt Ricardo Usbeck. Sie reichen von Gesetzestexten, die mithilfe von KI durchsucht werden, oder helfen Umweltwissenschaftler*innen, die mit KI Messdaten erheben. Auch die Geisteswissenschaft nutzt KI: „Ganze Archive werden heute mit KI ausgelesen. Ein einzelner Mensch könnte die Arbeit gar nicht schaffen“, sagt Ricardo Usbeck. KI sei „kein rein technisches Objekt, sondern immer ein Objekt im gesellschaftlichen Kontext“. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, KI als Werkzeug zu nutzen und nicht als Ersatz für eigenes Denken.
Sichtbar wird diese Philosophie im AI Literacy Hub. Dieser bietet Studierenden, Lehrenden und Kooperationspartner*innen Experimentierräume für Künstliche Intelligenz. Studierende können hier in den Creative Space kommen, den offenen Experimentierraum auf dem Campus und Wohnzimmer für KI-Projekte: An einem Vorratsglas, vollgefüllt mit Schokoriegeln, hängt ein schweres Schloss. Die Süßigkeiten kosten kein Geld. Daten sind die Währung. Über einen QR-Code gelangen Hungrige zu einer Webseite, wo sie nicht nur Namen, sondern auch ein Foto von sich hochladen müssen: „Nutzer*innen bekommen ihr eigenes Bild dann ein Leben lang täglich zugesendet“, erklärt Ricardo Usbeck das kritische Kunstprojekt, welches unter Anleitung von Martin Kohler entstanden ist, Leiter des Creative Space.
Der Creative Space unterscheidet sich bewusst vom klassischen Seminarraum: Glasboards, flexible Möbel, Werkbänke, 3D-Drucker, Elektronikbauteile und Prototypen überall. Studierende haben dort beispielsweise ein Übersetzungsgerät entwickelt, das an den berühmten „Babelfisch“ aus Douglas Adams’ Science-Fiction-Welt erinnert: Das tragbare Gerät funktioniert ohne Internetverbindung und übersetzt in Echtzeit. Damit könnte es etwa bei Rettungseinsätzen helfen oder an wenig erschlossenen Orten eingesetzt werden.
Ein anderes Projekt ist eine interaktive Roboterkatze mit Kamera und Sensoren. Sie reagiert auf menschliche Emotionen, wirkt neugierig, gelangweilt oder traurig – und bringt Menschen dazu, mit ihr zu interagieren wie mit einem echten Tier. „Wir laden Nutzer*innen des Creative Space ein anders zu denken“, erklärt Ricardo Usbeck.
Ganz konkret können im Creative Space auch methodische Probleme gelöst werden: „Wir möchten Wissenschaftler*innen bei der Datenerhebung unterstützen“, sagt er. Mithilfe der 3D-Drucker können etwa individuelle Messinstrumente hergestellt werden.
Bis Ende 2029 wird der „Leuphana AI Campus“ mit bis zu 4,6 Millionen Euro von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert.
Mitarbeitende aus Wissenschaft und Verwaltung können sich unter anderem online mit der neue KI-Basisschulung im Selbstlernformat fortbilden. Die Schulung wird von der Leuphana auf Moodle bereitgestellt und dauert etwa 60 Minuten.