Erfahrungsberichte - Staatswissenschaften – Public Economics, Law and Politics

Auf dieser Seite finden Sie Erfahrungsberichte von Studierenden und Ehemaligen zum Master Staatswissenschaften - Public Economics, Law and Politics an der Leuphana Graduate School.

Melina berichtet

04.02.22 Internationalität hat für Melina Feldkamp einen besonders hohen Stellenwert: Nach einem Bachelor an der University of Limerick in Irland, hat Sie sich für das international ausgelegte Masterprogramm Staatswissenschaften an der Leuphana entschieden. Mit einem Schwerpunkt auf Politik und Recht steuert sie nun auf ihre Masterarbeit zu.

Melina Feldkamp, Studentin des Masters Staatswissenschaften ©Privat
"Insbesondere die angeregten Diskussionen im Kurs sind mir sehr in Erinnerung geblieben. Hier habe ich die Internationalität unseres Studiengangs als besonders wertvoll empfunden, da ich so in den Diskussionen viel von den Erfahrungen und Perspektiven der anderen PELPis lernen konnte."

Warum haben Sie sich für das Studienprogramm Staatswissenschaften – Public Economics, Law and Politics (PELP) an der Leuphana Graduate School entschieden?
Ich habe mich dazu entschieden, PELP zu studieren, weil ich die Interdisziplinarität und Internationalität des Studienprogramms schätze. Ich wollte gern weiterhin die Möglichkeit haben, auf Englisch zu studieren und auch meine Prüfungsleistungen auf Englisch abzulegen, da ich das vom Bachelor so gewohnt war. Thematisch schließt sich der Master gut an meinen Bachelor an und bietet mir darüber hinaus auch die Möglichkeit, in die für mich neue Disziplin der Rechtswissenschaft einzusteigen.

Was haben Sie studiert bevor Sie Ihren Master an der Leuphana Graduate School begonnen haben?
Ich habe History, Politics, Sociology and Social Studies an der University of Limerick in Irland studiert. Dort hatte ich ebenfalls eine Major-Minor-Kombination, wie es auch im Leuphana Bachelor üblich ist. Ich habe im Major Politics und im Minor Sociology und Economics studiert.

Sie haben im Master Staatswissenschaftendie Möglichkeit zwischen verschiedenen Modulen zu wählen und selbst Schwerpunkte zu setzen. Für welche Module haben Sie sich entschieden?
Im Studiengang PELP können wir insgesamt sechs Wahlpflichtmodule in den Bereichen Politik, VWL und Recht belegen, aus jedem der Fächer muss mindestens ein Modul gemacht werden. Zudem werden auch Module zum Thema Entwicklungsökonomie angeboten. Ich habe meine Schwerpunkte vor allem auf Politik und Recht gesetzt. Im ersten Semester habe ich einen Kurs zum Thema Political Mobilisation and Violence gemacht, in dem wir uns unter anderem mit Konfliktprozessen und politischer Mobilisierung auseinandergesetzt haben. Insbesondere die angeregten Diskussionen im Kurs sind mir sehr in Erinnerung geblieben. Hier habe ich die Internationalität unseres Studiengangs als besonders wertvoll empfunden, da ich so in den Diskussionen viel von den Erfahrungen und Perspektiven der anderen PELPis lernen konnte.

Letztes Semester habe ich ein Modul zum öffentlichen Wirtschaftsrecht in Deutschland gemacht – was im ersten Moment relativ trocken klingen mag, weil man sich unter anderem mit der Wirtschaftsordnung in Deutschland und dem Grundgesetz auseinandersetzt. Ist es aber gar nicht. Wir haben zum Beispiel auch darüber gesprochen, ob und inwiefern man soziale Medien wie Facebook in der EU regulieren kann und sollte. Das kombiniert dann die theoretischen Diskussionen mit sehr praxisnahen und relevanten Themen.

Die Leuphana versteht sich als eine inter- und transdisziplinäre Universität. Auch die Ausrichtung Ihres Studienprogramms ist interdisziplinär. Wie nehmen Sie dies wahr?
Ich finde, die Interdisziplinarität kommt bereits zur Geltung, wenn man sich anschaut, wie verschieden die Hintergründe der PELPis sind – manche haben VWL studiert, andere bereits als Anwält*innen gearbeitet, oder kommen – wie ich – aus der Politikwissenschaft. Das gibt den einzelnen Seminaren und Diskussionen schon mal einen guten Background, um verschiedene Perspektiven und Ideen zu erkunden. Außerdem haben wir auch die sogenannten Integrationsmodule, also Staat, Markt und Zivilgesellschaft und Staatsführung, Demokratie und Öffentliche Politik, die darauf ausgerichtet sind, verschiedene Thematiken aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Diese Module werden dann auch von zwei Lehrenden aus unterschiedlichen Disziplinen unterrichtet, was ebenfalls dazu beiträgt, ein bestimmtes Thema aus mehreren Perspektiven zu sehen.

Außerdem belegen wir ja auch drei Module im Komplementärstudium, was uns nochmal über den Tellerrand hinausschauen lässt. Ich habe zum Beispiel Kurse zum Umweltrecht in der EU oder auch zum Stadtmarketing Lüneburgs gemacht.

Wie ist das Verhältnis der Studierenden untereinander und zu den Dozierenden?
Das Verhältnis unter PELPis würde ich als sehr freundschaftlich und hilfsbereit beschreiben. Wir sind ja auch – mit ca. 40 Leuten pro Jahr – ein recht kleiner Studiengang. Jede*r kennt jede*n und wir sind gut vernetzt – innerhalb aller Jahrgänge. Außerdem versuchen wir auch, aktiven Kontakt zu PELP-Alumni zu halten. Aufgrund der Corona-Situation habe ich leider den Großteil meines Studiums bisher online absolviert und die Lehrenden daher vorrangig virtuell kennenlernen können. Ich habe es aber bisher so erlebt, dass die Lehrenden sich Mühe geben, die Zoom-Veranstaltungen irgendwie interaktiv und anregend zu gestalten. Wenn Fragen auftreten, sind sie auch ansprechbar und reagieren sehr schnell auf E-Mails.

Was beschäftigt Sie neben dem Studium?
Ich arbeite neben dem Studium als studentische Hilfskraft im Dekanat der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und engagiere mich in der Fachgruppe PELP. Als Fachgruppe vertreten wir die Interessen unserer Kommiliton*innen in verschiedenen Gremien der Leuphana und unterstützen auch bei konkreten Problemen und Anliegen. Abgesehen von der Gremienarbeit organisieren wir auch Events für PELPis, zum Beispiel zum Auftakt des Masters oder Alumni-Abende. Wir freuen uns auch immer über neue Mitglieder!

Wie gefällt Ihnen Lüneburg als Wohnort und wie verbringen Sie Ihre Freizeit hier? Nutzen Sie das Semesterticket? Was sollte jede*r in oder um Lüneburg mal gemacht haben?
Lüneburg ist eine wunderschöne Stadt! Besonders gefällt mir, dass alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbar ist. Ich gehe gern im Kurpark oder um den Kreidebergsee spazieren. Im Sommer bietet es sich an, von der Teufelsbrücke in die Ilmenau zu springen und sich ein bisschen treiben zu lassen. Sonnenauf- oder -untergänge sind auf dem Kalkberg sehr schön zu beobachten. Auch ein Kinobesuch im Programmkino SCALA lohnt sich oder ein Bier im Irish Pub am Stint. Besonders cool finde ich auch das Salzmuseum, in das man als Leuphana-Studierender kostenlosen Eintritt bekommt. Salz klingt als Thema vielleicht etwas langweilig, aber ist wirklich spannend aufgemacht und man lernt sehr viel über Lüneburg.

Wenn man dann doch mal Lust auf die Großstadt hat, kommt man mit dem Semesterticket kostenlos in einer halben Stunde nach Hamburg und kann dort das große Kulturangebot wahrnehmen.

Welche Pläne haben Sie nach Ihrem Masterstudium?
Aufgrund der interdisziplinären und flexiblen Ausrichtung des Studiengangs, ist auch im Hinblick auf den Beruf vieles möglich. Ich stehe dem sehr offen gegenüber und denke derzeit über eine Promotion nach, weil ich gerne in die sozialwissenschaftliche Forschung gehen möchte. Aber zuerst muss ich mich auf die Masterarbeit konzentrieren, 

Wem würden Sie den Master Staatswissenschaftenan der Leuphana Graduate School empfehlen?
Ich empfehle den Master all denen, die Lust auf einen interdisziplinären und internationalen Studiengang haben und gerne im Austausch mit Studierenden aus aller Welt neue Perspektiven, Ideen und Erfahrungen erkunden möchten.

Interviewer: Jonas Kernein

Svenja berichtet

21.11.19 Nach einem Dualen Studium in Öffentlicher Verwaltung und einer mehrjährigen beruflichen Tätigkeit entschied sich Svenja Dahnke für das Master-Studienprogramm Public Economics Law and Politics an der Leuphana Universität. Nach dem Studium plant sie, zurück in die öffentliche Verwaltung zu gehen, um ihre Expertise im Bereich Recht, Politik und VWL in einer Landes- oder der Bundesregierung einzubringen.

Svenja Dahnke, Studentin des Masters Staatswissenschaften ©Leuphana/Patrizia Jäger
"Da ist für mich mit Blick auf den aktuellen Zustand unserer Demokratie und den diesbezüglichen internationalen Entwicklungen vieles klarer geworden und es hat ein bisschen geholfen, die Welt besser zu verstehen."

Was haben Sie studiert, bevor Sie sich für den Master an der Leuphana Graduate School beworben haben?

Davor habe ich im Dualen Studium meinen Bachelor of Law in Öffentlicher Verwaltung gemacht. Ich habe dafür zwei Jahre studiert und ein Jahr in der Verwaltung der Hansestadt Wismar gearbeitet. 

Warum haben Sie sich für den Master Staatswissenschaften - Public Economics, Law and Politics entschieden?

Nach meinem Bachelor habe ich fünf Jahre lang im Energieministerium Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet, bin also zunächst direkt in die Arbeitswelt eingestiegen. Ich war mir aber schon nach dem Bachelor sicher, dass ich noch den Master anschließen möchte, um die Möglichkeit zu haben, eine Laufbahn mit Personalverantwortung einschlagen zu können. Durch meine Arbeit im Energieministerium habe ich gemerkt, dass Politik und Volkswirtschaft super interessante Themenfelder sind. Wenn man in öffentlichen Einrichtungen arbeitet, ist es ebenfalls wichtig in diesen Bereichen die Zusammenhänge zu verstehen. Dabei hilft der Master PELP auf alle Fälle weiter.

Sie sind jetzt im zweiten Semester. Welche Erwartungen hatten Sie an das Master-Studium und haben sie sich bis jetzt erfüllt?

Da ich aus dem Bereich Recht komme, wollte ich verstärkt Kenntnisse in den Bereichen VWL und Politik aufbauen und meine fachlichen Englischkenntnisse verbessern. Durch die zwei neuen Disziplinen konnte ich neue Sichtweisen auf die Politik und unsere Gesellschaft entwickeln. Außerdem konnte ich mein Englisch kann ich sehr gut verbessern und erweitern, schon, weil die Hälfte der Module auf Englisch gehalten werden. Darum haben sich meine Erwartungen bis jetzt voll und ganz erfüllt.

Wie sind Sie mit den neuen Disziplinen des Studiums zurechtgekommen?

Bei VWL war der Einstieg eher schwierig. Wir hatten im ersten Semester gleich ein Methoden Seminar, in dem es um Statistik und empirische Analysen ging. Das war ziemlich viel Mathe, –  was bei mir schon eine ganze Weile zurückliegt –, aber ich habe den Absprung ganz gut geschafft und kann jetzt auf alle Fälle mit volkswissenschaftlichen Papern umgehen. Im Bereich der Politikwissenschaft fiel der Einstieg im Vergleich zu VWL wesentlich leichter.

Wohin gehen Sie ins Auslandssemester und warum haben Sie sich dafür entschieden?

Im Sommersemester gehe ich an die Universität Karlstad nach Schweden. Für mich war klar, dass ich auf alle Fälle ein Auslandssemester machen möchte, weil ich im Bachelor nicht die Möglichkeit dazu hatte. Ich glaube, dass so etwas ganz wichtig für die persönliche Entwicklung und auch für die Fremdsprachenkompetenz ist. Die Leuphana bietet für Studierende, die einen Auslandsaufenthalt planen, super viele Möglichkeiten. Gerade für meinen Bereich habe ich gedacht, dass ein skandinavisches Land aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Strukturen gut passt und Schweden hat mich schon immer interessiert.

Sie haben im Studium die Möglichkeit zwischen vielen verschiedenen Themen zu wählen und selbst Schwerpunkte zu setzen. Wie haben Sie sich entschieden?

Ja das ist eine spannende Frage, die ich mir am Anfang des Studiums auch ganz oft gestellt habe: welchen Schwerpunkt soll ich setzen? Ich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mir keinen Schwerpunkt setzen sollte und einfach die Module mache, auf die ich Lust habe und bei denen ich meine, dass sie mich weiterbringen. Ich habe mir zu den Kursen Empfehlungen von den höheren Semestern eingeholt. Jetzt habe ich eine bunte Mischung von Themen. Ich habe immer noch viele Kurse in Recht, aber auch in Politik und einen VWL Vertiefungskurs gewählt.

Was ich in diesem Semester super spannend fand war das Thema Demokratietheorien. Wir haben uns damit beschäftigt, wie unser heutiger Demokratiebegriff entstanden ist und sich entwickelt hat. Man versteht, welche Theorien in Kombination mit dem historischen Kontext das Demokratieverständnis der heutigen Zeit geprägt haben und setzt sich intensiv mit dem Begriff der Demokratie und der Zukunft der Demokratie auseinander. Da ist für mich mit Blick auf den aktuellen Zustand unserer Demokratie und den diesbezüglichen internationalen Entwicklungen vieles klarer geworden und es hat ein bisschen geholfen, die Welt besser zu verstehen.

Wie nehmen Sie das Komplementärstudium wahr, das ja eher transdisziplinär konzipiert ist?

In meinem Komplementärseminar im ersten Semester war ich noch sehr nah an meinem eigentlichen Fachgebiet und habe „politisches Denken im 20. Jahrhundert“ gewählt. Da ging es um Ideengeschichte und große Denker im 19. und 20. Jahrhundert. In diesem Semester habe ich etwas für mich ganz Neues gemacht und an einem Ideenwettbewerb teilgenommen. Der Wettbewerb war in Zusammenarbeit mit der Stadt Geestland und hieß Enkelkindtauglich Leben. Ziel war es, nachhaltige Projekte für die Stadt zu konzipieren. Mein Projektteam hat z.B. die Landbox, einen Paketbriefkasten für den ländlichen Raum entworfen.Das war supercool, weil es um Nachhaltigkeit ging, was ein brandaktuelles Thema ist, das auch an der Leuphana ganz groß kommuniziert wird. Es hat Spaß gemacht, eigene Ideen und Projekte zu entwickeln und diese vor einem konkreten Projektpartner, dem Bürgermeister der Stadt Geestland, zu pitchen. Am Ende gab es sogar auch Gewinne und Preisgelder.

Die Leuphana bietet viele Möglichkeiten für Studierende, sich außerhalb ihres Studiums zu engagieren. Sind Sie auch neben dem Studium aktiv?

Die Leuphana bietet echt super viele Möglichkeiten und ich bin selbst im Hochschulsport als Teilnehmerin aktiv. Ich besuche zwei Tanzkurse, mache im Studio21 Sport und die Sportkurse von Groupfit. Außerdem bin ich seit diesem Semester ganz neu in der Fachgruppen Vertretung von PELP aktiv. Wir organisieren kleine Veranstaltungen für unseren Studiengang. Das kann zum Beispiel ein Sommerfest, eine Weihnachtsfeier oder ein Pub Crawl für die Neuankömmlinge sein. Außerdem gehört die Vertretung in studentischen Gremien dazu. Ich sitze zum Beispiel in der Studienkommission für unser Studienprogramm und bin Mitglied in der Zentralen Studienkommission –  das ist ein studentisches Beratungsgremium für den Senat.

Wie gefällt Ihnen die Stadt Lüneburg als Wohnort, und wie gestalten Sie Ihre Freizeit in Lüneburg?

Lüneburg ist eine sehr kleine süße Stadt, die trotzdem viele Möglichkeiten bietet, da die Stadt durch die vielen Studierende geprägt ist. Ich bin gern in der Stadt unterwegs und gehe mittwochs oft in Bars oder Kneipen. Da ist Lüneburg echt super gut aufgestellt. Man kann aber auch viel Zeit im Grünen verbringen, zum Beispiel am Flüsschen Ilmenau oder an einem Badesee in der Nähe. Eigentlich verbringe ich die meiste Zeit mit Leuten aus meinem Studiengang und wir können unsere Freizeit in Lüneburg auf alle Fälle sehr angenehm gestalten.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Meine Pläne sind relativ klar: Ich werde zurück in die öffentliche Verwaltung gehen – ich glaube, da gibt es kein Ruckeln mehr. Allerdings weiß ich noch nicht genau, ob es eine Landes- oder die Bundesregierung wird, in der ich arbeiten will.

Wem würden Sie den Master Staatswissenschaften an der Leuphana empfehlen?

Zunächst würde ich es denjenigen empfehlen, die auch etwas mit Recht – so wie ich öffentliche Verwaltung – studiert haben. Ich finde aber auch, dass der Studiengang gut für reine Politikwissenschaftlern und Volkswissenschaftler geeignet ist. Der PELP-Master bietet noch einmal ganz neue Perspektiven, da die wenigsten im Bachelor alle drei Disziplinen, also Recht, Politik und VWL, studiert haben. Durch die neuen Perspektiven, die man durch die neuen Disziplinen erhält, erkennt man einen viel besseren Zusammenhang mit Blick auf die Gesellschaft und die Demokratie. Das hilft bei der Stärkung der eigenen Ansichten und bei der Arbeit in öffentlichen Einrichtungen, NGOs, Stiftungen oder ähnlichem. Wichtig ist nur, dass man offen für Interdisziplinarität und für neue (fremde) Disziplinen ist.

Interviewerin: Ina Robert

Lina berichtet

20.08.18 Am 23. Juni 2016 verschlug es Lina Berg die Sprache: Fast 52 Prozent der britischen Wähler*innen hatten für den Brexit gestimmt. Um die Hintergründe des Votums besser zu verstehen, ging sie für ein Praktikum zur Europäischen Kommission nach London und kam mit einem Masterarbeit-Thema zurück.

Lina Berg, Studentin des Masters Staatswissenschaften ©Leuphana
„Meine Generation wächst mit Europa auf. Für mich ist es unverständlich, warum ein Staat aus der Union austreten will.“

„Völlig verrückt“ – So lautet Lina Bergs erster Gedanke nach der Brexit-Entscheidung. „Meine Generation wächst mit Europa auf. Für mich ist es unverständlich, warum ein Staat aus der Union austreten will“, sagt die 27-Jährige. Sie legte ihren Bachelor an der Universität Magdeburg in European Studies ab und studiert nun an der Graduate School Staatswissenschaften. Lina Berg ist von Europa begeistert: „Es ist ein Friedensprojekt.“

Doch als solches würde es viele Brexit-Befürworter in Großbritannien es nicht sehen. „Für sie ist die EU ein Wirtschaftsbündnis. Sie glauben, Großbritannien würde es ökonomisch ohne die EU-Regularien und -Abgaben besser gehen“, berichtet Lina Berg. Drei Monate lang recherchierte sie Meinungen und Stimmungsbilder für die Europäische Kommission in London. In jedem EU-Land gibt es diese Vertretungen. „Die Informationen, die wir in der politischen Abteilung zusammentragen, werden nach Brüssel gespiegelt.“ Eine anspruchsvolle Aufgabe – gerade für eine Praktikantin: „Ich wurde in eiskaltes Wasser geworfen“, erinnert sich Lina Berg. Nicht nur Detailwissen übers Parlament wurde erwartet, gleich an einem ihrer ersten Praktikumstage wurde sie zu einer Debatte mit Brexiteers, also EU-Gegnern, geschickt. „Dort habe ich meine Unterlagen von der Europäischen Kommission unter meinem Block versteckt“, erinnert sich Lina Berg. Doch am Ende überraschte sie die oft sehr respektvolle Debattenkultur: „Das sind nicht alles Populisten. Viele sehen sich durch die Geschichte Großbritanniens mehr mit dem Commonwealth verbunden als mit der EU.“

800 Euro für ein WG-Zimmer

Etwa ein Jahr lang warten Bewerber*innen auf einen der begehrten Praktikumsplätze. Bei Lina Berg war es genauso. „Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat. Schließlich habe ich das Praktikum selbst organisiert.“ Neben dem Platz bei der Europäischen Kommission musste sie sich auch um eine Unterkunft kümmern. Schon rein finanziell kam nur eine WG in Frage. „Es war ein sehr teures Praktikum. Allein das WG-Zimmer hat 700 Pfund im Monat gekostet. Das sind umgerechnet fast 800 Euro.“ Da Lina Berg aber schon länger als studentische Hilfskraft an der Graduate School arbeitet, konnte sie etwas zurücklegen.

Die neuen Erfahrungen waren für sie ohnehin unbezahlbar. „Es war ein ganzbesonderes Gefühl als ich zum ersten Mal in die Houses of Parliament gegangen bin“, erinnert sich Lina Berg. Die Büros der Europäischen Kommission sind im Europe-House angesiedelt, einer viktorianischen Stadtvilla mitten in Westminster. Jeden Morgen hörte Lina Berg Big Ben läuten und ging an den vielen Bobbys vorbei, die das Regierungsviertel schützen. Sie besuchte Ausschuss-Sitzungen, hörte sich die Ideen von wissenschaftlichen Think-Tanks zur Zukunft Großbritanniens außerhalb der EU an oder lief zu Universitäten, um dort Stimmungsbilder einzufangen. „Grundsätzlich trifft man in London meist EU-Befürworter.“ Und sie machen auf die problematischen Konsequenzen des Brexits aufmerksam. „Mir ist dort erst klar geworden, dass wirklich alles vom Austritt betroffen sein wird: vom Shampoo-Import bis zur nordirischen Grenze.“ Dieses Thema bewegt Lina Berg besonders: „Durch das Karfreitagsabkommen wurde der Nordirland-Konflikt nicht gelöst, sondern nur stillgelegt.“ Mit dem Beschluss beendeten Irland, Großbritannien und die nordirischen Parteien 1998 die gewalttätige Phase. Tritt Großbritannien aus der EU aus, wird die nordirische Grenze zur EU-Außengrenze. „Wie wird sich das auf den dortigen Friedenauswirken?“, fragt Lina Berg.

"London hat mich gepackt"

Das Karfreitagsabkommen erlaubt den Nordir*innen zusätzlich zur britischen auch die irische Staatsangehörigkeit zu führen. Das sollte den Identitätskonflikt der Menschenlösen. Wer eine doppelte Staatsbürgerschaft hat, wird also nach dem Brexit Staatsbürger*in eines Nicht-EU-Landes sein, aber genauso EU-Bürger*in. Lina Berg möchte sich in ihrer Masterarbeit mit dem Verhältnis der Nordir*innen zur Staatsbürgerschaft auseinandersetzen. Hat es sich durch den bevorstehenden Brexit verändert? Zumal die Mehrheit der Nordir*innen gegen den Brexit gestimmt hat.

Doch Lina Berg hat nicht nur ein Prüfungsthema aus England mitgebracht, sie ist auch zum Großbritannien-Fan geworden. „London hat mich gepackt. Eine tolle Stadt! Und ich mag den Humor der Briten. Beispielsweise hat die nordirische Grenze einen eigenen Twitter-Account, auf dem sie aus der Ich-Perspektive von ihren Brexit-Sorgenberichtet.“ Wenn Lina Berg ihren Master in der Tasche hat, würde sie sehr gern in einem EU-Projekt arbeiten – am liebsten in London. Deshalb hofft sie wie viele ihrer Kolleg*innen bei der Europäischen Kommission doch noch auf einen Exit vom Brexit.

Autorin: Morgaine Struve

Björn berichtet

05.10.21 Dem Alumnus gelang nach seinem Studium ein erfolgreicher Karrierestart. Er studierte „Staatswissenschaften - Public Economics, Law and Politics“ an der Leuphana und gibt Tipps, wie der Berufseinstieg mit einer guten Studienplanung gelingen kann.

Björn Schubert, Alumnus des Masters Staatswissenschaften ©Leuphana/Marie Meyer
"Das Studium hat mich gerade methodisch weitergebracht: Ich konnte mein Verständnis für komplexe Zusammenhänge verbessern und habe gelernt Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und selbstorganisiert zu arbeiten.“

Björn Schubert hat sein Studienfach ganz bewusst nach persönlichen Interessen gewählt: „Ich habe im Bachelor an der Leuphana Politikwissenschaft studiert und im Master Public Economics, Law and Politics. Da wurden VWL, Politik und Recht interdisziplinär in einen Gesamtkontext gesetzt. Eine spannende Sache!“, sagt der Alumnus. Heute arbeitet Björn Schubert in einem Lüneburger Software-Unternehmen. Als Projektmanager führt er dort aktuell ein Customer Relationship Management System ein. Wer nun fragt, wie in diesem Lebenslauf Studium und Beruf inhaltlich zusammenpassen, der schaut sich am besten Björn Schuberts Studienphilosophie an: „Öffnet den Blick nach außen! Schaut nach rechts und links!“

Während seines Bachelorstudiums absolvierte Björn Schubert ein Auslandssemester an der Universität Karlstad in Schweden: „Es wurde durch die Kooperation der Leuphana mit Erasmus ermöglicht.“ Die Erfahrungen aus dem Auslandsaufenthalt nutzten ihm beim Berufseinstieg. Der Alumnus arbeitete nach dem Studium bei einer international agierenden Unternehmensberatung: „Während des Auslandssemester habe ich gelernt, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzuarbeiten. Das war in meinem ersten Job und den Auslandseinsätzen sehr hilfreich.“

Bereits während des Studiums arbeitete Björn Schubert als studentischer Mitarbeiter an der Leuphana. „Ich habe Veranstaltungen wie den Dies academicus oder die Graduiertenfeier mitorganisiert und koordiniert. Das war unglaublich lehrreich.“ Heute betreut er als Projektmanager selbst Werksstudierende von der Leuphana: „Es gibt so viele Möglichkeiten, bereits im Studium Praxiserfahrungen zu sammeln. Die Leuphana-Jobbörse ist da ein hilfreiches Tool, um an Werkstudierenden-Jobs zu kommen und Kontakte zu knüpfen“, sagt der Alumnus.

Er rät allen Studierenden, Erfahrungen auch jenseits der eigenen Fachdisziplin zu sammeln. Perspektivwechsel bietet beispielsweise das Komplementärstudium: „Ich habe hier insbesondere Kurse mit hohem Praxisbezug gewählt wie etwa ein Seminar zu Verhandlungstechniken auf Englisch. Auch diese Kenntnisse haben mir im Job schon geholfen“, berichtet er.

Der gebürtige Bremer hat sich für die Leuphana entschieden, weil er gern über den Tellerrand schaut. „Mich hat das Studienmodell überzeugt mit dem gemeinsamen Studieneinstieg während der Startwoche, sowie dem Major und Minor System gepaart mit dem Komplementärstudium. Das Studium hat mich gerade methodisch weitergebracht: Ich konnte mein Verständnis für komplexe Zusammenhänge verbessern und habe gelernt Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und selbstorganisiert zu arbeiten.“

Während seines Masterstudiums schätzte er insbesondere den interdisziplinären Austausch mit anderen internationalen Studierenden, die ihren Bachelor in verwandten Disziplinen absolviert hatten: „Eine bereichernde Zeit.“

Autorin: Dr. Marietta Hülsmann

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