Master Arts and Cultural Management: Liv Eirin Francis - Erinnerungen
30.09.2026 Die ausgebildete Musicalsängerin stand nicht nur bei „Cats“ und „Elisabeth“ auf der Bühne. Sie leitete ein internationales Entertainment-Unternehmen mit rund 140 Beschäftigten, gründete ihre eigene Produktionsfirma und studierte berufsbegleitend an der Leuphana Professional School. Warum sie zwischenzeitlich als Altenpflegerin arbeitete und viele sie noch immer als die Frau kennen, die „Memories“ singt.
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Der chinesische Musicalmarkt wächst. Liv Eirin Francis arbeitet daran mit: Sie bringt deutschsprachige Musicalproduktionen nach China - Peking, Shanghai oder Guangzhou. Vor kurzem hat sie zusammen mit einem Kollegen, die eigene Produktionsfirma gegründet.
Dabei stand sie früher selbst im Rampenlicht. Zu ihrem Repertoire gehörten unter anderem „Cats“, „Chess“, „Les Misérables“, „Elisabeth“ oder „Jesus Christ Superstar“. 2009 stand sie in Oslo als Grizabella in „Cats“ auf der Bühne. Ein Lied ist dabei eng mit ihrer Bühnenkarriere verbunden: „Memories“, der große Klassiker aus „Cats“.
Ihre Musicalausbildung absolvierte Francis zunächst an der Bårdar Akademiet in Oslo und anschließend an der Stella Academy in Hamburg. 2012 stand sie in „Les Misérables“ in Tromsø auf der Bühne. Parallel zeichnete sich ein neuer Weg ab: Ein norwegisches Entertainment-Unternehmen suchte Unterstützung bei der Organisation von Entertainmentproduktionen auf Kreuzfahrtschiffen und in Ferienresorts. Liv Eirin Francis, die dort zunächst als Sängerin gearbeitet hatte, übernahm nach und nach neue Aufgaben. Sie organisierte Castings, stellte Ensembles zusammen und entwickelte kreative Inhalte für Kundinnen und Kunden. Dann fällt ihre Chefin aus. Aus der Mitarbeiterin wird eine Führungskraft. Plötzlich wird sie sogar Leiterin eines Unternehmens mit einem erheblichen Budget und rund 140 Beschäftigten. Das Unternehmen wächst, die Shows laufen eng getaktet. Künstlerische Leitung, Choreografie, Kostüme, Technik, Transport und Organisation müssen ineinandergreifen.
Dann fällt der Vorhang: Corona. Auftritt: Kurzarbeit. Auch für Liv. Sie arbeitet als Altenpflegerin; hat viele Begegnungen, die sie berühren. Sie kümmert sich um Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind und in Isolation leben. Dann die große Frage: Wie geht es weiter, wenn die Pandemie vorbei ist?
Nach rund 20 Jahren im Entertainmentgeschäft beginnt sie über einen neuen Weg nachzudenken. Über eine Freundin erfährt sie vom berufsbegleitenden Masterstudiengang Arts and Cultural Management an der Leuphana Professional School. „Lernen gehörte für mich immer zu meiner beruflichen Karriere. Ich wollte gern noch einmal studieren“, sagt die Managerin und Künstlerin.
Mit dem Master kann Liv Francis ihre langjährige praktische Erfahrung mit wissenschaftlichen Konzepten verbinden. „Ich hatte vieles vorher einfach aus dem Instinkt heraus entschieden“, sagt sie. Das Studium hilft ihr, ihre Erfahrungen mit Führung, Organisation und Unternehmenskultur theoretisch einzuordnen: „Mir fehlten die Theorien hinter der Praxis.“ Auch ihre Abschlussarbeit führte zurück zu ihrer beruflichen Vergangenheit. Liv Eirin Francis untersuchte, warum manche Shows ihr Publikum stärker erreichen als andere.
Dafür führte sie Interviews mit Menschen, die auf Kreuzfahrtschiffen an Shows beteiligt waren und wertete die Gespräche mit einer thematischen Analyse aus. Im Mittelpunkt steht das sogenannte „Audience Engagement“ – die Frage, wie stark das Publikum in das Erlebnis einer Show einbezogen wird. „Ich setze die Dinge, die ich sehe, heute in einen akademischen Kontext – in den Zusammenhang mit dem, was ich gelesen und gelernt habe. Durch das Studium habe ich auch viel über unterschiedliche kulturelle Praktiken gelernt, was mir bei meiner internationalen Arbeit sehr nützt“, sagt sie. Eine weitere Bereicherung ist das Netzwerk, das sie während ihres berufsbegleitenden Studiums aufgebaut hat. „Ich habe unglaublich spannende Menschen getroffen und durch den Austausch sehr viel für meine eigene Arbeit gelernt.“
Heute ist sie erfolgreiche Managerin mit großem Herz fürs Musical. Mit ihrem Unternehmen schafft sie für Menschen genau das, worüber sie früher gesungen hat: Memories – Erinnerungen.