Der Eisbär-Irrtum: Home Coming Days räumen mit Nachhaltigkeitsmythen auf
13.10.2026 Eisbären als Symbol des Artensterbens? Ein Trugschluss, sagt Prof. Dr. Matthias Glaubrecht. Der renommierte Evolutionsbiologe und Biodiversitätsforscher war einer von mehreren Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die bei den Home Coming Days des berufsbegleitenden MBA Sustainability Management hartnäckige Nachhaltigkeitsmythen widerlegten.
©Leuphana
Bei bedrohten Tierarten denken wir oft an große Säugetiere wie Eisbär und Tiger. Was weniger Menschen wissen: Das wirklich große Artensterben findet bei anderen Tierarten statt. Insekten und Weichtiere verschwinden in rasantem Tempo, erklärte Glaubrecht. Tierarten, denen wir viel weniger Beachtung schenken, obwohl sie eine große Rolle in unserem Ökosystem spielen und unter anderem die Grundlage sind für unsere Ernährungssicherheit. Ein konkretes Beispiel zeigt das: Ohne Mücken keine Schokolade. Die Kakaopflanze wird von zwei tropischen Mücken bestäubt. Sterben diese Mücken aus, würde es keinen Kakao und damit keine Schokolade mehr geben.
Und noch einen Mythos widerlegte Glaubrecht: Mit dem Klimawandel habe ihr Verschwinden oft wenig zu tun. Die raumgreifende Lebensweise der Menschen sei für den dramatischen Verlust der Biodiversität verantwortlich: „Klima ist nicht der Treiber der Artenverluste, sondern Landnutzungsänderungen. Wie gehen wir intelligenter mit Flächen und Ressourcen um?“
Mythen gemeinsam entwirren – mit einer Live-Podcast-Premiere
Sein Vortrag war Teil der Fachkonferenz „Unsere neue Realität – Mythos Nachhaltigkeit“ bei den Home Coming Days, die auch Narrative rund um Regulierung, Berichterstattung und zirkuläres Wirtschaften hinterfragte. Bei der traditionellen Netzwerkveranstaltung des berufsbegleitenden MBA Sustainability Management trafen sich zwei Tage lang über 150 Studierende und Alumni aus 23 Jahrgängen auf dem Campus der Leuphana.
Welche Mythen prägen unser Denken über Nachhaltigkeit und wer profitiert eigentlich davon? Statt einer klassischen Keynote gab es eine Premiere mit zwei Mikrofonen: Studiengangsgründer Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Marie-Sophie Wilde, Alumna und Host des Podcasts The Greener Business, nahmen vor den Gästen eine Podcast-Folge auf. Im Fokus stand
„Die entscheidende Frage ist nicht einfach: Wie werden wir all die destruktiven Mythen los? Sondern: Was für Narrative wollen wir erzählen und wie können wir positive Narrative schaffen, die nachhaltige Entwicklung stützen?“, so Schaltegger.
Denn Mythen prägen, wie wir die Welt verstehen, welche Entwicklungen wir für möglich halten und welche Entscheidungen wir treffen.
Nachhören lässt sich das Gespräch bei Spotify und Apple Podcasts.
Hutwurf und 42 neue Absolvent*innen
Ein weiterer Höhepunkt der Home Coming Days: Die Verabschiedung von 42 Absolvent*innen des berufsbegleitenden MBA-Programms im Nachhaltigkeitsmanagement, traditionell besiegelt mit einem gemeinsamen Hutwurf vor dem Zentralgebäude.
Wie schwierig die Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Praxis aktuell oft ist, zeigte Martin Vogl von der AUDI AG in seinem Grußwort: „Um in dieser für Unsicherheit und Herausforderung geprägten Realität handlungsfähig zu bleiben, braucht es mindestens zwei Dinge: persönliche Resilienz und hartnäckigen Optimismus.“
In ihrer gemeinsamen Absolventinnenrede machten Andrea Dahm und Annette Malmann Mut und forderten Taten ein: „Ein besseres Morgen entsteht nicht durch Absichten. Es entsteht durch Menschen, die beherzt den ersten Schritt gehen.“
Heute für morgen managen
Seit 2003 bildet der MBA Sustainability Management am Centre for Sustainability Management (CSM) Fach- und Führungskräfte aus, die Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Erfolg zusammendenken. Mit rund 1.000 Absolventinnen, Studierenden, Lehrenden und Praxispartnerinnen ist er heute das größte universitäre Netzwerk für Nachhaltigkeitsmanagement. Der nächste Jahrgang startet im Frühjahr 2027, Bewerbungen sind online möglich.